Mit Zelt und Schlafsack, Kocher und eigener Verpflegung über mehrere Tage trauen sich nur wenige auf den Weg ins Unbekannte. Oft sind Erinnerungen aus der Kindheit an entbehrungsreiche Zeltausflüge verantwortlich für die Zurückhaltung. Die Zelte schützten damals nicht wirklich vor Regen, und die Schlafsäcke waren alles andere als gute Wärmespender in der Nacht. Doch Wandern und Zelten der 80er-Jahre mit Trekking und Camping zu Zeiten der Generation Instagram zu vergleichen ist, wie den VW Golf 1 mit einem E-Auto gleichzusetzen.

Wer sich heute auf Wanderschaft begibt, kann sich mit der neuesten Ausrüstung ein Hightech- Outdoor-Anwesen mitnehmen  – und muss nicht mal schwer schleppen. Wasser- und sturmfeste Zweimannzelte, die Platz und Ausblick auf den Sternenhimmel bieten, Isomatten, die selbst Bodenfrost abhalten, Schlafsäcke, leicht wie Federn, aber warm wie die Daunendecke zu Hause, und Gaskocher, die Wasser schneller zum Kochen bringen als der heimische Designer- Gasherd, wiegen zusammen keine vier Kilogramm. Camping ist zum »leichten Geschäft« geworden. Und das scheinen immer mehr Outdoor-Fans zu realisieren. Der Umsatz mit Zelten, Kochern und Zubehör im europäischen Outdoor-Markt stieg um rund 2 Prozent, während der Absatz von Kleidung eher stagniert (Quelle: European Outdoor Group). Till Gottbrath, Gründer und erster Chefredakteur des Magazins »outdoor«, hat Wander- und  Zelterfahrungen schon in über hundert Ländern gesammelt: »Die Ausrüstung – egal, ob Kleidung, Schuhe, Rucksäcke, Zelt oder andere Sachen – ist so gnadenlos besser, robuster und leichter geworden, dass man sich beim Wandern viel stärker darauf konzentrieren kann, die Natur zu genießen.«

Seine vier Tipps für die erste Tour mit Rucksack und Zelt:

  1. Trau dich! Einfach mal losgehen, eine Tour aussuchen, bei der man sich sicher fühlt und nicht die Angst überwiegt und einen blockiert.
  2. Locker bleiben! Es kommt nicht drauf an, möglichst viele Kilometer oder Höhenmeter zu schaffen, sondern sich die Zeit zu nehmen, das Naturerlebnis zu genießen
  3. Orientierung lernen! Die besten Karten oder GPS-Geräte nützen nichts, wenn man damit nicht umgehen kann. Also schon vorher mit beidem üben, sich zu orientieren. Und auch beides mitnehmen, denn sie ergänzen sich perfekt: Eine Karte vermittelt einem den Überblick, wo man ist, sagt einem aber nicht den genauen Standort – und genau das kann das GPS.
  4. Back-up einbauen! Die erste Tour von den Anforderungen her so wählen, dass sie unter dem liegt, was man sich maximal zutraut. Wer unsicher ist, sollte sich der geführten Tour einer Bergschule oder eines Trekkingreise-Anbieters anschließen. Eine andere Möglichkeit ist, sich Trekking-Events wie die »Kungsleden Classic« zwischen Nikkaluokta und Abisko in Lappland mitzumachen. Auf der rund 110 Kilometer langen und drei bis fünf Tage dauernden Strecke gehen bis zu zweitausend Trekkingfans gemeinsam auf Tour, aufgeteilt in verschiedene Startgruppen und Tage. So verteilt sich die Wanderschar auf dem Weg durchs Fjäll, doch irgendwie ist man gemeinsam einsam. Geht einem das Essen aus, streikt der Kocher oder will das Zelt nicht richtig stehen, sind Gleichgesinnte nicht weit, die mit anpacken oder aushelfen.