Prachtvolle Rebstöcke in einzigartigen Lagen, vereinzelte Streuobstwiesen und lauschige Wäldchen, eine wunderbar stille Landschaft im satten Herbstsonnenlicht – und der Main, der sich, manchmal in milchigen Dunst gehüllt, weiter unten seinen Weg bahnt: Für Wanderer, denen es nicht wichtig ist, nur Strecke zu machen, sondern die ihren Weg durch eine besondere Kulturlandschaft und den Genuss am Wegesrand zum Ziel erklären, ist das Weinland Franken mit seinen Weinwanderwegen goldrichtig. Die zertifizierten Routen in der Region zwischen Bamberg und Aschaffenburg sind durchgängig einheitlich ausgeschildert und zeichnen sich durch eine abwechslungsreiche Mischung aus Natur, Weinberg und Winzerorten aus, so dass auch spontane und/oder unkundige Wandersleute auf ihre Kosten kommen. Immer gibt es Möglichkeiten zur Einkehr – bereits auf oder erst am Ende der Strecke – und oft auch zum Weinkauf.
Einige Winzerfamilien betreiben auch eine »Heckenwirtschaft« auf ihrem Hof. Früher nannte man den fränkischen Weinbauern »Häcker«, woraus dann der Name dieser nur zu bestimmten Zeiten geöffneten typisch mainfränkischen Institution abgeleitet wurde. Die Häcker- oder Heckenwirtschaften sind heute ein saisonales Highlight. Hier geht es gemütlich und herzlich zu – es kommt ehrlich Bodenständiges auf den Teller und ein guter Tropfen aus dem eigenen Anbau ins Glas. Mal ist es eine deftige Häckerbrotzeit, mal sind es, zum frischen Häckerwein, Blaue Zipfel. Dafür werden fränkische Bratwürste in fein gewürztem Sud »blau« gekocht und zum Beispiel im Sud mit Zwiebeln und Möhrenscheiben, Meerrettich und Brot serviert. Doch erst einmal wird gewandert …
Der »Fränkische Rotwein Wanderweg« in Churfranken verläuft zwischen Großwallstadt und Bürgstadt. Er ist knapp 80 Kilometer lang, und mit seinen sehr abwechslungsreichen Streckenabschnitten von leicht bis sehr anspruchsvoll lässt er sich prima in mehrere Tagesetappen aufteilen. Alle Wegstrecken sind wunderschön: So bietet sich dem Wanderer ein ausgesprochen vielfältiges Panorama aus Fluren, Wäldern und aufgelassenen Weinbergen, die sich im Lauf der Zeit zu artenreichen Trockenbiotopen entwickelt haben. Und dann sind da natürlich die steilen Rotweinterrassen und der Blick auf den Main! Bei Großheubach wird die Route auch zu einem Weinlehrpfad. Wer nur einen Tag unterwegs sein möchte, sollte sich das Herzstück des Fränkischen Rotwein Wanderwegs zwischen Erlenbach, Klingenberg und Großheubach vornehmen.
Der »Weinparadiesweg« gleicht einer »Tagestour in den Garten Eden«: Dank der nur sanft gewellten Wege und der leichten Streckenführung ist diese knapp 20 Kilometer lange Route für Ungeübte besonders geeignet. Sie führt vom Weigenheimer Kapellenberg bis nach Nenzenheim – und an so manchen bewirtschafteten Weinbergshütten vorbei, in denen es sich zünftig rasten lässt. In der »Weinparadiesscheune« etwa werden weinfränkische Küche und deftige Brotzeiten serviert. Die grandiose Aussicht, die besonders im Herbst wegen der Farbenpracht ein Genuss ist, gibt es gratis dazu.


Bequeme Wege, ein sonniges Gelände und traumhafte Ausblicke über das Maintal bis nach Bamberg zeichnen den »Abt-Degen-Steig« am Südhang der Haßberge aus. Sein Name erinnert an Abt Alberich Degen aus Zeil am Main, der mit den Zisterzienser-Mönchen im 17. Jahrhundert den Anbau und die Verbreitung der Silvanerrebe in Franken maßgeblich vorangetrieben hat. Zwischen Zeil am Main und dem Ebelsbacher Ortsteil Steinbach finden Wanderer und Spaziergänger Strecken von fünf bis 25 Kilometer vor – und das sogar barrierefrei. Es ist auch eine Wanderung in die Weingeschichte, denn sie führt auf alten Winzertreppen durch mittelalterliche Rebhänge. Standort- und Weinsortentafeln, Hinweise zur Geologie, zum Weinbau und zur Kulturgeschichte runden das Wandererlebnis ab. Die »WeinKultTour« rund um Lindach, Zeilitzheim, Gaibach und Stammheim verbindet Weingenuss und harmonische Hügellandschaften. Wer hier auf befestigten Wegen und Naturwegen an Feldern und Streuobstwiesen vorbei über die Weinberge wandert, erlebt die ganze Vielfalt des Wein- und Kulturlandes Kolitzheim. Auf den 17,5 Kilometern laden wunderschöne Sitz- und Rastplätze zum Pausieren ein – mit weitem Blick ins Land. Die Weinorte selbst bieten moderne Vinotheken, typische Gasthäuser und Winzerstuben, in denen die Jahreszeiten die Zutaten bestimmen.
Im Frühjahr gibt es fangfrischen Fisch sowie Spargel aus der Region, Pfifferlinge und Waldpilze liefern die Wälder Frankens im Sommer und Herbst, und heimisches Wild und Geflügel kann man am besten im Winter genießen. Auch in Sachen fränkischer Geschichte lässt sich hier viel entdecken und erleben: So sollten auf der Wein- KultTour auch Abstecher zum barocken Landschloss in Zeilitzheim, zur Heilig-Kreuz-Kapelle und zur Konstitutionssäule in Gaibach oder zum größten Bocksbeutel der Welt in Stammheim nicht fehlen. Ausführliche Informationen zu den Weinwanderwegen und zum Weinland Franken gibt es unter www.franken-weinland.de sowie www.frankentourismus.de